4 P Seminar Mitglieder im Gespraech mit Fr Hutzelmann vom Stadtarchiv M

Man lebt zweimal: das erste Mal in der Wirklichkeit, das zweite Mal in der Erinnerung.

-Honoré de Balzac (1799-1850)

Am Freitag, den 20.09.2019, stand für das Geschichte-P-Seminar „Jüdische Schüler am Humanistischen Gymnasium Ingolstadt vor 1938 und ihre Familien- Spurensuche und Erinnerung“ eine Exkursion unter der Leitung von Herrn Schirmer nach München zur Einweihung des Erinnerungszeichens für Ruth Levinger an.

Im besonderen Fokus des Seminars steht die Geschichte der ehemaligen jüdischen Schüler des Reuchlin-Gymnasiums, das ursprünglich Königliches Humanistisches Gymnasium hieß, und die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Ingolstadt in der Zeit vor 1938. Darüber hinaus wird über die verschiedenen Formen des Gedenkens - über bereits bestehende oder neue künstlerische Ausdrucksformen - reflektiert.

Nach einem historischen Rundgang durch die Münchener Innenstadt, vom Hauptbahnhof zum Alten Rathaus der Stadt; von dort aus zur Feldherrenhalle, Ort des Hitlerputsches 1923, über den Odeonsplatz zum eigentlichen Ziel unseres Ausflugs, der Gedenkveranstaltung am ehemaligen Wohnort von Ruth Levinger in der Gaußstraße 3.    

Ruth Levinger wurde am 20.09.1940 im Alter von 32 Jahren mit 190 weiteren Jüdinnen und Juden aus bayerischen Heil- und Pflegeanstalten in die Tötungsanstalt Hartheim deportiert und ermordet. Diese Deportation war der erste systematische Massenmord an Juden, der als Vorstufe zum Holocaust gilt.

Genau 79 Jahre später wurde Ruth Levingers Name in Form eines Erinnerungszeichens wieder an den Schauplatz ihrer Kindheit und Jugend zurückgebracht.

Erinnerungszeichen werden in Form von Tafeln oder Stelen an Orten angebracht, an denen Münchnerinnen und Münchner lebten, die zwischen 1933 und 1945 Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden. Sie erinnern auch an jene Menschen, die fern ihrer Heimat in München ermordet wurden. So wird den heute meist vergessenen Opfern des NS-Regimes ihr Platz in der Stadtgesellschaft wiedergegeben.

Noch bevor die Einweihungsfeier begann, fanden wir uns im aktiven und aufschlussreichen Gesprächsaustausch mit weiteren Anwesenden wieder. In den Redebeiträge des Stadtrates Herrn Thomas Ranft, von Frau Dr.h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sowie der Angehörigen der Familie Levinger wurde das Leben von Ruth Levinger von ihrer Kindheit bis hin zu ihrem unvollendeten Medizinstudium detailliert beschrieben und somit in Erinnerung gerufen.

Die Verbrechen der Nationalsozialisten gegen die Menschlichkeit kostete unzähligen Menschen das Leben. Es ist unsere Aufgabe und Verantwortung, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen. Wir und die kommenden Generationen dürfen nicht vergessen, was geschieht, wenn Hass und Menschenfeindlichkeit über allem stehen. Denn wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Evelina Koschelew, Q11