„Bei Schreibblockaden räume ich einfach auf!“ - Ein Interview mit der Thrillerautorin Janet Clark, durchgeführt von Margherita Ragucci

Die Thrillerautorin Janet Clark ist 1967 in München geboren. Sie lebte in Deutschland, Frankreich, England und Belgien und kehrte letztendlich nach Deutschland zurück. Janet Clark MargheritaHeute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern wieder in München.
Um mir meine Fragen zu beantworten, hat sie mich zur sich nach Hause eingeladen, wo sich ein interessantes Gespräch entwickelt hat.

„Janet Clark“ klingt ja ziemlich englisch und meines Wissens nach sind Sie ja Deutsche. Ist „Janet Clark“ denn Ihr echter Name oder ein Künstlername?
Es ist mein echter Name. Den Vornamen Janet habe ich bekommen, weil die beste Freundin meiner Mutter zu ihrer Studienzeit in England Janet hieß. Den Nachnamen „Clark“ habe ich angeheiratet.

Haben Sie beruflich etwas anderes gemacht, bevor Sie mit dem professionellen Schreiben angefangen haben?
Ja, ich war unter anderem Marketing-Chefin in einer internationalen Firma und habe auch mal bei einem Kunstverlag gearbeitet. Diese Berufe haben mir sehr gut gefallen, aber das Schreiben finde ich dennoch am besten.

Haben Sie schon als Kind davon geträumt, Bücher zu schreiben, oder hatten Sie andere Berufswünsche?
Ich hatte viele unterschiedliche Berufswünsche. Ich wollte mal Entwicklungshelferin, Psychologin oder Therapeutin werden. Vor dem Abi wollte ich dann als Kriminalkommissarin bei der Polizei arbeiten – wahrscheinlich habe ich damals zu viel „Tatort“ geguckt (lacht). All die Berufswünsche, die ich hatte, hatten etwas mit Menschen zu tun, was auch daran lag, dass ich mich schon immer wahnsinnig für sie interessiert habe. Vor allem im Wunsch, Entwicklungshelferin zu werden, spiegelt sich das wider. Auch in meiner Schulzeit zeigte sich mein Interesse an Menschen, denn ich war z.B. Klassen-, Schüler- und Tutorensprecherin und habe bei der Schülerzeitung mitgewirkt. Mir ging es dabei vor allem um das soziale Umfeld. Ich denke, dass ich deswegen Autorin geworden bin, denn obwohl ich die meiste Zeit allein arbeite, brauche ich Menschenkenntnis, um den Charakteren meiner Geschichten Leben einhauchen zu können.

Wie sieht Ihr Tagesablauf als Autorin aus?
Den Tagesablauf gibt es nicht, der ist in jeder Schreibphase unterschiedlich - je nachdem, ob man in einer Plot,- Prosa- oder Lektoratsphase ist. Und dann sind da noch die Lesungen etc.
In der Plotphase laufe ich viel im Haus und Garten herum und denke, kritzle Ideen auf Papier, verwerfe, überdenke, kritzle ... , in der Schreibphase plotte ich morgens handschriftlich das Kapitel, dann lasse ich die Ideen etwas sinken, bevor ich mich ans Schreiben setze – in der Zwischenzeit gibt es immer viele Mails zu beantworten, meine ehrenamtliche Arbeit für die Autorinnen-vereinigung „Mörderische Schwestern“, meine Familie,... Dann sitze ich meist bis tief in die Nacht am Schreibtisch und manchmal, wenn ich meinen Abgabetermin nicht schaffe, gehe ich eine Woche in Klausur, dort werden dann ca. 14 Stunden am Tag am Buch gearbeitet.

Gibt es einen Studiengang, der empfehlenswert wäre, um Schriftsteller zu werden?
Es gibt in Deutschland derzeit kein anerkanntes Studium, um das Autorenhandwerk zu erlernen. Creative Writing Kurse werden zwar vereinzelt an Universitäten angeboten, allerdings in der Regel als Nebenkurs. Man sollte auf jeden Fall Dramaturgiekurse, Schreibkurse etc. absolvieren und versuchen, so viel wie möglich über das Handwerk zu lernen. Ein Germanistik- oder Literaturwissenschaftsstudium kann hilfreich sein, da man dort viel über Literatur und Sprache selbst lernt, aber es ist keine Voraussetzung. Viele der heute bekannten Autoren sind Quereinsteiger, die nach vielen Jahren in ihrem „Brotberuf“ den Weg zum Schreiben gefunden haben – ich übrigens auch. Allerdings habe ich mich jahrelang intensiv fortgebildet.


Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders?
Meine Freiheit, die Begegnungen mit den Kollegen und den Lesern, die Möglichkeit, über Dinge zu schreiben, die mir am Herzen liegen, und dabei Menschen gut zu unterhalten.

Wie schätzen Sie die Karrierechancen als Autor/in ein?
Sehr schlecht. Bislang gab es zumindest noch eine gute Midlist, sprich AutorInnen, die ohne BestsellerautorInnen zu sein, vom Schreiben sinnvoll leben konnten, das dünnt sich derzeit aus, die Schere öffnet sich immer mehr zwischen den weniger als 1% „Hypersellern“ und dem Rest. Ganz schlimm ist der Jugendbuchbereich, zumal hier auch deutlich mehr englischsprachige Autoren gelesen werden als deutsche Autoren. Unter den 30 bestverkauften Bücher eines Jahres findet sich derzeit sich in der Regel höchstens ein original deutschsprachiges Buch. Das sollte man wissen, bevor man zu schreiben beginnt.

Was tun Sie gegen Schreibblockaden?
Aufräumen. (grinst) Ich räume meinen Schreibtisch auf, denn ganz oft verursacht ein Berg an Zetteln, Rechnungen und sonstigem Papierkram, der auf meinem Arbeitsplatz liegt, meine Schreibblockaden. Falls das Aufräumen auch nicht hilft, dann fahre ich weg. Wenn auch nur für drei Tage. Hauptsache ich bin ohne Internet, Telefon, Handy etc.

Wie lange schreiben Sie durchschnittlich an einem Buch?
Normalerweise ca. ein Jahr. Bis es veröffentlicht wird, dauert es nochmal ein halbes oder ein ganzes Jahr. Das heißt vom Anfang des Schreibens bis zur Veröffentlichung dauert es ca. zwei Jahre.

Würden Sie den Beruf weiterempfehlen?
Ich würde sagen, wenn jemand unbedingt schreiben möchte, wenn das der große Traum ist, und derjenige auch mit Enttäuschungen und Rückschlägen umgehen kann, dann soll er das ausprobieren. Man braucht allerdings Durchhaltevermögen und eine dicke Haut. Mein Mann hat vor sieben Jahren zu mir gesagt: „Wenn du es nicht probierst, dann wirst du nie wissen, ob du es geschafft hättest. Mehr als scheitern kannst du nicht.“ Insofern: Ja, ich würde jedem, der sich mit Leidenschaft dem Schreiben widmet, empfehlen, es zu versuchen, allerdings würde ich auch unbedingt empfehlen, einen Plan B in der Tasche zu haben, falls es nicht klappt.

Schreiben Sie gerade an einem neuen Buch?
Ja. Einen Erwachsenenthriller, der in London und Florenz spielt und mich gerade ziemlich herausfordert. (lacht)

Vielen Dank für dieses tolle Interview, Frau Clark!